Raumschwierigkeiten

Studium erfolgreich abgeschlossen... und jetzt?

Raumschwierigkeiten

Beitragvon baritinho » Do 23. Jun 2016, 14:02

Hallo zusammen,
ich sehe mich immer wieder vor das Problem gestellt, dass man um als Freiberufler sein Geschäft aufzuziehen einen adäquaten Unterrichtsraum benötigt, der sich aber ohne Startkapital bzw. Schülerstamm nur schwer finanzieren lässt. Am erfolgversprechendsten sind meist Mehrzweckräume von Kirchengemeinden, die aber oft ohne oder nur mit einem schlechten Klavier ausgestattet sind. Hinzukommt eine Miete, die i.d.R. stundenweise vereinbart wird und damit das Budget recht stark belastet. Günstige Mieten liegen bei 7,50EUR/Std., was hochgerechnet bei 39 Unterrichtswochen im Jahr monatlich 24,40 EUR für 60min/Woche entspricht. Ist man allerdings noch nicht im regelmäßigen Unterrichtsbetrieb und braucht eine gewisse Flexibilität um Probestunden geben zu können, wird das sehr schwierig. Eine Probestunde in der studentischen Butze vermittelt nicht die angemessene Seriösität. Eine Alternative wäre es, beim Schüler zuhause zu unterrichten, was für Probestunden jedoch einen ganz schönen Aufwand darstellt.

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Raumproblem? Wie habt ihr es geschafft am Beginn eurer Freiberuflichkeit eine solide Basis zu schaffen - finanziell und bezüglich der Unterrichtbedingungen?

Grüße
baritinho
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Beitragvon Stefanus » Fr 24. Jun 2016, 15:04

Völlig klar, ein schwieriges Thema. In der Wirtschaft würde man dafür zunächst mal kreditfinanziert was anmieten und ausstatten. Aber welcher Jungpädagoge bekommt bei dem Job einen Kredit...
Kirchengemeinden sind immer gut und sinnvoll. Ok, in Sachen Klavierausstattung muss man da evtl. flexibel sein. Und in Sachen Raummiete - die kann man viell reduzieren, wenn man anbietet, regelmäßig die eine oder andere Veranstaltung der KiGem kostenreduziert bzw. -frei mitzugestalten, sozusagen ein Deal auf Gegenseitigkeit.
Probestunden müssten dann - wenn ein kl. Schülerstamm da ist - um die bisherigen Termine herum gesetzt werden. Ich kann wg. meiner überwiegend externen Tätigkeit auch fast nur noch an WE bei mir daheim Probestunden anbieten.
Ausstattung - wenn denn nach ein paar Jahren stabile Schülerzahlen da sind, kann man ja mal versuchen, einen Kredit zu bekommen für eine instrumentelle Neuausstattung. (Hab auch just einen kl. Kredit aus der Abtlg. "Kleinunternehmer/Gewerbetreibende" meiner Hausbank aufgenommen zwecks Anschaffung des zweiten Flügels.)
Mein Problem war das Thema "Raum" zum Glück nicht, wohne seit Kindertagen in einem Haus, das ich während des Studiums dann geerbt hab und somit mein Eigentum ist.
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Re: Raumschwierigkeiten

Beitragvon steinway1888 » Mo 11. Jul 2016, 20:48

-
Ich kenne noch eine Alternative :
Mit einem örtlichen Klavierfachgeschäft zusammenarbeiten.
Entweder kann man dort Überäume anmieten,
oder auch eine Probestunde im Verkaufsraum vereinbaren.
Manchmal sind Klavierhändler durchaus interessiert, daß Kunden von einem
Fachmann begleitet werden,
Wenn der dann spielt - was Klavierlehrer meist besser können als Klavierverkäufer -
kann ein Instrument seinen Klang viel besser entfalten und der Schüler wird
evtl. zum potentiellen Kunden.

Das eigene Ausbildungsinstitut, dh das Konservatorium oder die Hochschule,
hat auch meist nichts dagegen, wenn man es als Vorbereitung zu einer
Lehrprobe deklariert, die ja zu jedem Instrumentalpädagogikstudium
dazugehören.

Auch in Schulen kann man fragen. Nach 16.00 wenn der Betrieb ruht,
sind Räume eher benutzbar.

VG
Steve
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Re: Raumschwierigkeiten

Beitragvon Stefanus » Do 14. Jul 2016, 18:31

steinway1888 hat geschrieben:Auch in Schulen kann man fragen. Nach 16.00 wenn der Betrieb ruht,
sind Räume eher benutzbar.

WENN man als Freiberufler sie denn nutzen darf (hab mir da schon einige Abfuhren geholt, von wegen "mit Steuermitteln subventionierte Räume für gewinnorientierte Privatunternehmer, nein, geht gar nicht" und so). Und ab 16 Uhr sind meistens Hausmeister auch nicht mehr da, die Putzkolonnen sind dann auch schon durch. Und wer schließt hinterher ab? Hab da schon einiges erlebt, wird immer schlimmer.
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Re: Raumschwierigkeiten

Beitragvon Jan » So 17. Jul 2016, 09:29

Am besten wäre ein Unterrichtsraum in den eigenen vier Wänden.
Natürlich braucht man Platz und das Einverständnis des/der Vermieterin.

Ich lebe z. Z. in einer 120qm-Wohnung in einem Zweifamilienhaus, zusammen mit der Vermieterin.
Dort habe ich einen 20 qm großen Unterrichtsraum eingerichtet.
Im Mietvertrag ist ausdrücklich erwähnt, dass ich Musikunterricht geben darf - dazu muss ich aber sagen, dass ich nur auf einem Digitalpiano sowie einer akustischen Gitarre Gitarre unterrichte - das ist leise.
Außerdem mache ich Hausbesuche, so dass nicht ein ständiges Kommen und Gehen vorherrscht.

Wegen der Größe der Wohnung ist auch ein Kinderzimmer machbar.
Für mich ist das im Moment die beste Option.
Und hier im Saarland (noch) bezahlbar.
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Re: Raumschwierigkeiten

Beitragvon baritinho » Mi 20. Jul 2016, 11:40

Danke für eure Tipps. Das Hauptproblem ist das mit der Henne und dem Ei. Um Geld zu verdienen braucht es einen Unterrichtsraum und um einen Unterrichtsraum zu bekommen braucht es Geld. Ich hoffe demnächst eine kleine Honorarstelle zu bekommen, so dass schonmal ein Grundstock da ist. Ich werde zunächst vermehrt versuchen, Hausbesuche zu vereinbaren, jedoch haben viele Gesangsschüler gar kein Klavier zu Hause. Und für Probestunden ist das auch keine Option. Jetzt heißt es erstmal "dranbleiben"!
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Re: Raumschwierigkeiten

Beitragvon Stefanus » Mi 20. Jul 2016, 11:47

Eben. Ansonsten bleibt einem immer noch der Weg zur Bank. Als Dienstleister braucht es einen Raum, dafür braucht es Geld, dafür nimmt man dann einen Kredit auf (Bussinessplan erstellen!).
Sofern es heute eine Bank gibt, die einem von uns überhaupt noch.....
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Re: Raumschwierigkeiten

Beitragvon Camac » Di 6. Sep 2016, 18:27

Na vielleicht lässt sich deine Butze ja doch noch etwas aufmöbeln? Das wäre doch fürs erste die billigste Lösung. Wände malfrisch streichen, Möbel umstellen, vielleicht eine Art Musikbereich kreieren.Könnte man durch einen Paravent, Raumteiler große Zimmerpflanzen vom Rest etwas trennen falls du nur ein Zimmer hast.Ansonsten viel in geschlossene Schränke räumen, den Flur einladend gestalten und schon schauts ordentlicher aus. Natürlich noch das Einverständniss des Vermieters holen. Da geht doch sicher noch was.. :D

Ich hatte immer Glück, am Anfang ein Raum zur mitnutzung in einem CVJM Heim , damals für 50 DM im Monat, danach fast immer die passende Wohnung oder mal Hausbesuche, jetzt im Hobbykeller des eigenen Hauses. Ich finde es super bequem einfach zu Hause zu sein..Du musst nicht raus ,egal ob es regnet oder schneit..Fehlt ein Schüler kannst du schnell etwas anderes erledigen oder besseren Kaffee kochen als aus dem Automaten.
Grüße Camac
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Re: Raumschwierigkeiten

Beitragvon baritinho » Mo 26. Sep 2016, 14:40

Kleines Update: Ich habe nun den schweren Gang zum Jobcenter auf mich genommen und wurde dort sehr wohlwollend beraten. So bekomme ich jetzt nicht nur einen Zuschuss zum Lebensunterhalt, sondern auch die Möglichkeit, aus meiner bisherigen kleinen Butze auszuziehen und mir einen Unterrichtsraum anzulegen. Das Jobcenter hat einen eigenen Fördertopf für Selbständige, der allerdings ein bestehendes Förderverhältnis nach SGBII sowie eine Bewerbung mit Businessplan voraussetzt. Für alle angehenden Musiklehrer mit Startschwierigkeiten kann ich diesen Weg nur empfehlen! Die meisten werden zu Beginn einen Anspruch auf Aufstockung haben.
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